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Multiples Myelom

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Auf jeden Abend folgt ein neuer Morgen

Diese wunderschöne Abendstimmung, goldiges Licht umsäumt die sanften Hügel. Peter und ich sitzen aneinander geschmiegt auf dem Bänkli vor unserem Haus. Wir geniessen zusammen den schönen Augenblick. Wieviele werden wir noch so erleben?

Vor eineinhalb Jahren fing alles an. Peter war während mehrerer Wochen erkältet. Da wir erst noch gemeinsam durch Afrika reisten, kam uns der Gedanke, es könnte ja Malaria sein. Der Hausarzt kontrollierte sofort das Blut. Eine Malaria wurde ausgeschlossen und Peter sollte nach zwei Tagen für eine erneute Blutabnahme wieder in die Praxis kommen. Das kam uns komisch vor.

 

Nach der zweiten Untersuchung ging alles ganz schnell. Noch am selben Abend erfuhren wie die niederschmetternde Diagnose: akute myeloische Leukämie! Innerhalb weniger Stunden befand sich Peter bereits in der Notfallstation vom Kantonsspital Aarau.

Peter zweifelte an diesem Befund. Haben sie sich getäuscht? Nein! Weitere Blutuntersuchungen und eine Knochenmarkpunktion bestätigten die Diagnose. Es blieb keine Zeit um sich Gedanken zu machen - die sofortige Chemotherapie war unumgänglich.

Plötzlich sah ich meine tägliche Arbeit von einer anderen Seite. Krankenschwester zu sein ist nicht immer von Vorteil, besonders nicht in einer solchen Situation. Informationen werden auf die Waagschale gelegt, die Therapie kritisch betrachtet und alles hinterfragt.

Peter kam ins Isolationszimmer. Wir hätte uns so gerne in die Arme genommen um uns gegenseitig zu stärken. Jedoch verhinderte die sterile Einheit die eigentlich so ersehnte Nähe. Es folgten drei Chemozyklen mit Unterbrüchen, welche Peter zu Hause verbrachte um frische Energie zu tanken. Der Verlust der Augenbrauen war für Peter besonders schlimm. Er hatte das Gefühl das Gesicht zu verlieren.

Nach vier Monaten, an einem wunderschönen Frühlingstag, durfte Peter - zwar kraftlos aber voller Lebensenergie - das Spital verlassen. Die wahren Freunde haben wir in dieser Zeit kennengelernt. Dank ihrer Hilfe erholte sich Peter schnell.

Peter hat viele Träume und Ideen, die er auf unserem Bauernhof verwirklichen möchte. Einen grossen Traum erfüllte er sich diesen Frühling. Nach drei langen Jahren Papierkrieg mit den Behörden liessen wir im Mai 2002 zwanzig Hirsche auf unsere Weide. Ein wunderschöner Augenblick! Jetzt sitzen wir hier auf dem Bänkli und schauen stumm den Hirschen zu. Die Tiere vermitteln uns ein Gefühl von Kraft, Energie und unendlicher Ruhe. Aber unsere Gedanken kreisen…

Nach einer Routineuntersuchung am 5. August 2002 brachen die schön ausgemalten Zukunftspläne in sich zusammen. Frau Dr. Roth vom Kant. Spital Aarau, Hämatologie, telefonierte noch am selben Abend und teilte uns mit, dass das Knochenmark wieder diese scheiss Zellen aufweisen.

Ein Rückfall! Peter fühlte sich doch so gesund, er hatte keinerlei Anzeichen für einen Rückfall. Wir fühlten uns ohnmächtig und ausgeliefert. Noch war unser Leben so perfekt, die Beziehung so harmonisch und einfach traumhaft. Und nun diese niederschmetternde Nachricht!

Ein unbeschreiblicher Zustand begleitete uns, bis Peter für eine weitere Chemotherapie wieder ins Spital eintreten musste. In der Zeit bis zum Wiedereintritt wollte ich keine Sekunde ohne Peter sein. Ihn spüren und jeden Augenblick mit ihm in mein Gedächtnis einprägen, damit ich es nie vergesse.

Mit 28 Jahren soll das Leben bereits zu Ende sein? Ich höre immer noch die Worte des Arztes: "Wenn wir jetzt nichts unternehmen sind sie in wenigen Wochen oder Monaten tot."

Die Chemo war die absolute Hölle. Schleimhautreaktionen im ganzen Magen- /Darmtrakt und massivste Schmerzen quälten Peter bis ins Unerträgliche. Oft sass ich neben ihm und sah in seine fragenden Augen. Diese waren blutunterlaufen durch die tiefe Thrombozytenzahl und das ständige Würgen und Erbrechen. Zu schwach zum Reden - eine harte Zeit.

Ich selbst hatte nicht viele Momente um mich auszuruhen. Neben meinem Job als Krankenschwester wollte ich möglichst immer bei Peter sein, aber zu Hause wartete auch unser gemeinsamer Hund und der Bauernhof.

Nun sitzen wir hier auf unserem Bänkli und blicken in die ungewisse Zukunft.

Wir warten auf den Knochenmarkspender, der Peters Leben rettet. Leider kann uns niemand die Gewissheit geben, dass ein passender Spender gefunden wird.

Noch viel zu wenige befassen sich mit diesem Thema und wissen nicht um die Möglichkeit einem Menschen das Leben zu retten. Dieser Gedanke macht uns ohnmächtig. Oft sprechen wir über die Folgen der Transplantation und den möglichen Tod. Peter wäre von Gott sehr enttäuscht, wenn er ihm das Leben schon so früh nimmt. Peter wird leben und unsere gemeinsamen Träume sollen sich erfüllen.

Carmen und Peter