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Multiples Myelom

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Chronologie einer Knochenmarkspende

 

Vorgeschichte

5. 11. 1995
Zwei junge Eheleute möchten erfahren, wie sie einem schwerkranken Menschen auf dieser Welt helfen könnten. Obwohl beide regelmässige Blutspender sind, konnten sie beim Blutspendedienst auf ihre Frage über die mögliche Knochenmarkspende keine Antwort erhalten.
Aus den Medien wussten sie, dass im Sommer 1994 die Stiftung zur Förderung der Knochenmarktransplantation gegründet worden war. So war der Weg frei, bei der SFK-Geschäftsstelle Informationsmaterial einzuholen und Fragen zu stellen.
Wie alle möglichen Spender erhielten sie während der fast zehn folgenden Jahre den SFK-Newsletter  "Hand in Hand", welcher jährlich verschickt wird, damit sich kein freiwilliger Knochenmark/Stammzell-Spender vergessen glaubt und seine Motivation zur rettenden Spende erhalten bleibt.
Gestern, nach fast zehn Jahren, kam Felix mit seiner Frau Regula zu mir nach Ebmatingen. Ich wusste, dass Felix von seinem Knochenmark gespendet hatte.
Jetzt konnte ich hören und spüren, wie bewegt und glücklich er von seinem Erlebnis berichtete und wie stolz Regula auf ihren Mann und die beiden Kinder auf ihren Vater sind. Regula ist sofort bereit, wenn sie zur Spende aufgerufen wird, und die Kinder sagen schon jetzt, dass sie es ihrem Papi gleichtun werden, wenn sie dann gross genug sind. Leben schenken – das ist es!

Candy Heberlein

 

Chronologischer Ablauf

11.2.05
Erstes Telefon vom Blutspendezentrum, ich wäre kompatibel mit einem Patienten, ob ich das immer noch möchte?
Termin vereinbart für erstes Gespräch. Sehr überrascht und nervös.

14.2.05
Erstes Gespräch im Blutspendezentrum mit einer Ärztin. Für genauere Bestimmungen werden einige Blutproben von mir entnommen. Es wird viel erklärt und diverse Fragen von uns werden beantwortet. Chance dass ich spenden kann ist bei etwa 20%, da weltweit nach möglichen Spendern gesucht wird und dann der am besten passende genommen wird. Ich werde in ca. 1-5 Monaten Bescheid bekommen. Regula ist auch dabei.
Bitte bis auf weiteres kein Blut spenden, wird mir gesagt. Es sei für einen leukämiekranken Patienten in Paris bestimmt.

14.3.05
Zweites Telefon vom Blutspendezentrum vom Spender-Arzt. Ich bin der Ausgesuchte, ob ich immer noch möchte? Termin für zweites Gespräch.

16.3.05
Zweites Gespräch im Blutspendezentrum mit dem gleichen Arzt. Es wird viel erklärt und diverse Fragen von uns werden beantwortet. Vom Uni-Spital werde ich noch einen Termin erhalten für einen genaueren Untersuch und zwei Eigenblutspenden. Regula ist auch dabei.

22.3.05
Erstes Telefon vom Uni-Spital von einer Ärztin. Ob ich immer noch möchte? Termin für Untersuch und erste Eigenblutspende. Termin für Knochenmarkentnahme sei der 20.05.2005.

26.4.05
Erstes Gespräch im Uni-Spital mit der gleichen Ärztin und dem zuständigen Hämatologen. Es wird uns viel erklärt und gefragt. Diverse Fragen von uns werden beantwortet. Im Transfusionslabor werden Blutproben und die erste Eigenblutspende entnommen. Ein EKG und eine Urinprobe werden gemacht, Herz und Lunge werden geröntgt. Regula und Sohn Adrian sind auch dabei.

9.5.05
Uni-Spital Transfusionslabor. Zweite Eigenblutspende. Bin anschliessend ein bisschen müde.

19.5.05
Donnerstag 14.00 Uhr eintreffen im Uni-Spital. Zimmerbezug, Zimmer sehr wahrscheinlich ältestes im ganzen Kanton Zürich. Adrian findet den kleinen Fernseher am Bett cool und probiert alles fleissig aus. Meine beiden Ärzte erkundigen sich noch nach meinem Wohlbefinden, alles im grünen Bereich. Anästhesistin schaut vorbei, es werden Abklärungen für den Eingriff gemacht und Blut entnommen. Ich kann um ca. 23:00 Uhr ohne Schlafmittel gut einschlafen.

 

Die Knochenmarkentnahme

20.5.05
Kurz vor 6.30 Uhr erwache ich, gut und ruhig geschlafen. Bin nicht nervös. Ich erhalte ein Beruhigungsmittel, ich glaube es bewirkt gar nichts. Um 7.20 Uhr werde ich samt Bett in den OP gefahren. Meine zwei Zimmernachbarn wünschen mir alles Gute. Ich unterhalte mich immer noch mit dem Pflegepersonal. Im OP angekommen, werden die Infusion und diverse Geräte zur Überwachung angeschlossen. Wir haben es immer noch lustig. Ich denke das Beruhigungsmittel hat nicht viel gewirkt. Ich schaue ein letztes Mal auf die Uhr, es ist 7.45 Uhr und Tschüss....

Die eigentliche Entnahme beginnt um 8.20 Uhr. Es wird vier Mal durch die Haut gestochen, je zwei Mal links und rechts entfernt von der Wirbelsäule. Pro Hautdurchstich wird etwa 25 Mal in den Beckenkammknochen gestochen und Knochenmark entnommen. Ca.100 Einstiche in den Knochen. Die Operation verläuft gut, alles ruhig. Der Knochen ist durch die gesunde Ernährung und den Lebenswandel zwar hart, dass Knochenmark fliesst aber gut. Es werden ca. 1500ml entnommen, das ist mehr als genug und sollte für den Empfänger reichen. Anhand dieser Menge lässt sich daraus schliessen, dass es sich um eine erwachsene Person handelt.
Um 9.30 Uhr ist die Entnahme beendet. Ich komme in den Aufwachraum. "Mein" Arzt überwacht mich bis ich wieder selbständig atme. Während der Operation wurde ich künstlich beatmet. Um 10.45 Uhr komme ich im Beobachtungsraum wieder zu mir. Ich fange gleich wieder an zu reden, wie wenn nichts geschehen wäre. Diese Angaben der letzten drei Stunden beruhen auf Aussagen vom operierenden Arzt. Im Beobachtungsraum wird mir eine neue Infusion verabreicht. Meine erste Eigenblutspende erhalte ich ebenfalls wieder.
Mir geht es eigentlich recht gut, spüre nur das übergrosse Pflaster am Rücken. "Meine" Ärztin überreicht mir zum Dank einen Blumenstrauss.

Zurück im Zimmer

20.5.05
Gegen 12.30 Uhr werde ich in mein Zimmer chauffiert. Kurz nachher betritt auch schon Regula das Zimmer. Ist das nicht ein gutes Timing?! Wir unterhalten uns, Regula kann es fast nicht glauben, dass es mir schon so gut geht. Ich habe auch schon Durst und versuche zu trinken. Jetzt sollte ich eigentlich auch noch aufs WC. Wie soll das gehen? Aufstehen sollte ich ja nicht. Ich probiers in die Flasche, mit "Schwester" Regula. Es ist 15.30 Uhr, Michael und Adrian kommen gerade ins Zimmer. Auch Michael findet den Fernseher cool, jetzt wollen beide schauen. Es hat aber nur einen Kopfhörer. Jeder nimmt sich ein Ohr. Jetzt sind sie sich nicht einig was schauen. Es gibt ja noch andere Fernseher im Zimmer. Michael hat zum Glück den Kopfhörer von seinem Discman dabei. Probleme endlich gelöst. "Meine" Ärztin kommt mit einem riesigen Blumenstrauss ins Zimmer und erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden. Es freut sie, dass es mir so gut geht. Ich erhalte per Infusion meine zweite Eigenblutspende. Ich bekomme langsam Hunger, ein Joghurt wäre jetzt doch nicht schlecht und etwas Leichtes. Um 18.00 Uhr probiere ich es zum ersten Mal aufs WC zu laufen. Ich bin noch recht wacklig auf den Beinen, aber es geht. Jetzt bringen sie auch schon das Nachtessen. Ich laufe zum Tisch und setze mich. Es wird mir langsam übel und ich gehe zurück zum Bett um mich hinzulegen. Das Joghurt kommt zurück. Die kleine Wanderung war anscheinend zu viel. Jetzt leg ich mich endgültig hin und das ist gut so. Als es mir wieder besser ging nahm ich die ersten zwei Schmerztabletten. Ich probiere es mit einem zweiten Joghurt, vielleicht behalte ich es ja. Um etwa 20.00 Uhr gehen Regula und Adrian nach Hause, Michael ging schon etwas früher. Auch das zweite Joghurt macht sich bemerkbar. Ich rufe nur noch nach einem Becken. Schon stehen meine zwei Zimmergenossen in letzter Sekunde mit dem Becken bereit. Jetzt erhalte ich 200ml Eisen zur Infusion. Gegen 22.00 Uhr nehme ich nochmals zwei Schmerztabletten und etwas Brot und Wasser, gehe nochmals aufs WC und schaue etwas fern. Aber bald schlafe ich ein. GUET NACHT!

21.5.05
Die Nacht gut geschlafen. Zwischendurch einige Male erwacht, die Infusion stört ein wenig. Das Morgenessen kommt und ich habe jetzt auch richtig Hunger. Ich esse vorsichtig, schliesslich möchte ich es behalten, was auch gelingt. Ich mache es mir gemütlich, lese, schaue fern, liege zwischendurch ab und schlafe ein wenig oder wir haben es sonst lustig im Zimmer. Ca. alle 4-5 Stunden nehme ich eine Schmerztablette. "Meine" Ärztin entfernt das grosse Pflaster. Sie freut sich wahnsinnig über die schönen Wunden, überhaupt kein Bluterguss. Ich bekomme nur noch links und rechts der Wirbelsäule je ein handgrosses Pflaster. Aufs WC kann ich jetzt ohne Probleme und ohne zu schwanken. Ich packe schön langsam meine sieben Sachen, denn ich darf schon wieder nach Hause, alle Blutwerte o.k.
Schon wieder ist essen angesagt und schon bald kommen Regula und Adrian ins Zimmer um mich abzuholen. Ich erhalte noch ein Arztzeugnis und verabschiede mich von meinen Zimmernachbarn. Wir schauen noch kurz bei meinen Ärzten vorbei. Sie sind erstaunt, dass es mir schon so gut geht und ich auch schon herumspaziere. In der Kantonsapotheke holen wir noch einige Medikamente und ab nach Hause. Fazit vom Spitalaufenthalt Ich fühle mich immer und jederzeit in guten Händen. Das Pflegepersonal ist stets zur Stelle und sehr aufmerksam. Mir werden jedes Mal der Puls und der Blutdruck gemessen. Ich erhalte ca. vier Liter Flüssigkeit über die Infusion. ( 2x200ml Eisen, 2x450ml Eigenblut, 3x1000ml Salzlösung ) Es ist immer alles i.O. Das Essen ist auch gut. Einzig das Zimmer war ein wenig enttäuschend.

Wieder zu Hause

21.5.05
Es ist jetzt ca.16.00 Uhr als wir zu Hause ankommen. Als erstes setze ich mich. War die Heimfahrt doch ein wenig anstrengend? Später lege ich mich noch kurz hin. In der Nacht schlafe ich ruhig und gut.

22.5.05
Ich nehme es gemütlich. Schmerztabletten nehme ich jetzt alle 5-6 Stunden eine. Ich gehe mich duschen und auch das geht gut. Adrian nimmt anschliessend die Pflaster weg. Es wird alles fotografiert. Es sieht schön aus. Am Nachmittag gehen wir zu Kaffee und Kuchen zu den Schwiegereltern.

Die ersten Bilder nach der OP

23.- 25.5.05
Ich geniesse mein Zuhause. Wir gehen langsam einkaufen und käffele. Ich lege mich immer wieder hin. Ich telefoniere mit "meinem" Arzt. Ich habe noch Fragen zum Verlauf der OP. Den Arzt vom Blutspendezentrum rufe ich ebenfalls an. Es freut sie, dass alles so gut gegangen ist.

26.5.05
Ab heute gehe ich wieder arbeiten. Ich nehme es zwischendurch gemütlich und lege eine kurze Pause ein. Beim bücken und etwas aufheben spüre ich die Punktionsstellen. Es wird von Tag zu Tag besser. Ich nehme am Morgen nur eine Schmerztablette. So spüre ich immer, wenn es zuviel ist und ich eine Pause einlegen sollte. Am Abend leite ich das Fussballtraining der Schulklasse von Adrian. Wir treffen uns mind.1x die Woche, bis zum Grümpelturnier am 2./3.Juli.

29.5.05
Wanderung mit dem Walliserverein von der Forch über den Pfannenstil nach Meilen. Es ist gemütlich und die Kinder tragen die Rucksäcke. Mir geht es gut.

2.6.05
Die erste Feuerwehrübung nach der OP. Ab und zu ein Ziehen im Rücken.

3.6.05
Letzte Schmerztablette. Spüre noch etwas beim Arbeiten. Wenn ich nach Hause komme lege ich mich kurz hin.

6.6.05
Der Arzt vom Blutspendedienst erkundigt sich wie es mir geht. Es geht mir ausgezeichnet!

12.6.05
Die erste Bergtour führt uns zur Martinsmad SAC-Hütte oberhalb von Elm auf 2002 m.ü.M. Es geht 1000 Höhenmeter bergauf und wieder hinunter. Keine Probleme, teilweise spüre ich die Einstiche in den Knochen ein wenig. Auch der Rucksack ist kein Problem.

13.-15.6.05
Beim FW-Kurs drei Tage den Verkehr regeln. Ganzer Tag stehen und winken. Spüre fast nichts mehr.

21.6.05
Ab heute gehe ich wieder einmal die Woche zwei Kilometer schwimmen. Zwischendurch spüre ich die Einstiche in den Knochen. Sonst alles i.O. Beim Arbeiten spüre ich fast nichts mehr.

17.7.05
Völlig Beschwerdefrei. Denke aber noch oft zurück und es ist immer noch ein Thema in der Familie. Der Fragebogen vom Blutspendezentrum wird ausgefüllt. Ich werde zu einer Nachkontrolle eingeladen. Nach 3 bzw. 6 Monaten sollte ich nochmals einen Fragebogen erhalten Jetzt freuen wir uns auf die Ferien in Saas-Fee.

19.7.05
Treffen mit Frau Candy.Heberlein, Stiftung zur Förderung der Knochenmarktransplantation.

 

Felix