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Multiples Myelom

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SFK als Strohhalm

Es war an einem Samstagabend im März 2002; ich kehrte glücklich und aufgestellt von einer Skiwoche zurück. Ein Blick auf den Telefonbeantworter und Fax zeigten mir, dass ich mich dringend bei meinem Sohn melden sollte.

Meine 'kleine Schwester' wurde als Notfall am letzten Mittwoch, mit Verdacht auf akute Leukämie, ins Inselspital Bern eingeliefert!" meldete mir mein Sohn am Telefon.

Ich glaubte zu träumen oder etwas falsch verstanden zu haben.Ich war überzeugt, dass diese Diagnose nicht stimmen konnte, und dass es sich um eine Verwechslung handeln musste ...

Karin ist Sportlehrerin, war immer kerngesund und gut trainiert. Ein Bänderriss oder sonst eine Sportverletzung wären ja möglich? Aber klagte sie nicht oft in letzter Zeit über Müdigkeit, hatte Nasenbluten und schlecht heilende Wunden?

Solche Gedanken gingen mir wie Blitze durch den Kopf. Ich reiste, ohne mein Feriengepäck vorher ausgeräumt zu haben, sofort nach Bern ins Spital. Meine Tochter lag auf der Isolationsstation R Nord - und es war kein Traum, keine Verwechslung, sondern Tatsache. Die Diagnose: akute myeloische Leukämie Typ M7, welche sehr aggressiv und wenig erforscht ist!

Es musste sofort gehandelt werden, denn die Lage war sehr ernst (bereits 90% Leukämiezellen im Blut). Ueberlebenschancen noch einige Wochen ...

Hochdosis-Chemotherapien und anschliessende Knochenmarktransplantation waren die einzige Möglichkeit. Nach einem eingehenden Gespräch mit Dr. Zenhäusern wussten wir alle, dass der Genesungsprozess beschwerlich und langwierig sein würde – und nur in ca. 50% der Fälle erfolgreich ist!

Vor zwei Jahren starb mein Mann an einem Melanom (schwarzer Hautkrebs). Kurz vorher hatte ich selber ein Mamma-Karzinom und musste mich von der Operation erholen – und nun diese neue Nachricht – sie kam wie ein Hammer auf mich zu. Noch tagelang glaubte ich plötzlich aus einem bösen Traum zu erwachen, denn ich wollte es immer noch nicht glauben!

Als hätte ich Scheuklappen besuchte ich jeden Tag meine Tochter im Spital, darauf achtend, dass ich möglichst niemandem begegnete und mich niemand nach meinem Befinden fragte. Nach zwei Wochen hatte ich begriffen, dass ich der Tatsache nicht ausweichen konnte und mich der neuen Herausforderung stellen musste. Ich wollte mehr über die Krankheit wissen und konnte mich nun auch besser mitteilen und mit Freunden darüber reden.

Im Internet gibt es sehr viele Informationen, aber es war so schrecklich deprimierend, von den schlechten Aussichten und den Statistiken zu lesen.

Auf der Isolationsstation im Spital werden zur Information viele Broschüren zum Thema von der Krebsliga zur Verfügung gestellt. U. a. fand ich aber auch einen Handzettel ‚Neugründung der SFK-Selbsthilfegruppe SOS-Leukämie Bern‘. Dies war für mich 'der Griff nach dem Strohhalm'. Ich konnte den kommenden Mittwoch kaum erwarten und ging pünktlich zur Zusammenkunft. Ich traf dort viele Selbstbetroffene und Angehörige und lernte die Initiantin Candy Heberlein kennen – endlich begriff jemand meine Sorgen und Ängste. An jenem Abend hatten auch Tränen Platz, und ich fühlte mich nicht so allein gelassen mit meinen Problemen. Ich bekam auch Literatur 'Knochenmark- und Stammzelltransplantation nach Krebs – für Betroffene und Angehörige, Rat und Hilfe'. In den darauf folgenden Wochen erkundigte sich Candy immer wieder über den Krankheitsverlauf meiner Tochter und nach meinem persönlichen Befinden. Wir hatten oft sehr gute Gespräche und sie gab mir immer wieder Mut, an eine Genesung zu glauben. Es folgten drei Monate in Bern mit Chemotherapie, dann eine allogene Stammzelltransplantation in Basel.

Nach eingehenden Untersuchungen und Bluttypisierungen war klar, dass aus dem Familien- bzw. näheren Verwandtenkreis niemand als Knochenmarkspender passte. Glücklicherweise fand man aber nach einigen Monaten auf dem internationalen Knochenmarkregister eine geeignete Fremdspenderin und damit eine Chance auf neues Leben!

Das Team vom Kantonsspital Basel mit Prof. Gratwohl und Dr. Passweg und das Pflegepersonal gaben sich alle Mühe, die Krankheit zu besiegen. Nebst den Medizinern waren auch Herr Spoerri (Pfarrer/Seelsorger) und Frau Kainz (Psychologin) an der ganzheitlichen Betreuung massgebend beteiligt.

Da die Strapazen der Behandlungen für Leukämie-Patienten kaum alleine zu bewältigen sind, verlegte ich meinen Wohnsitz zeitweise nach Basel, um häufiger meine Tochter besuchen und begleiten zu können.

Geschwächt und im Rollstuhl durfte ich Karin nach einigen Wochen in die 'Aussenstation' des Spitals holen und wir wohnten zusammen in einem Studio. Abstossreaktionen (GvHD) sowie die vielen Medikamente sorgten aber monatelang immer wieder für neue Probleme, zogen weitere Untersuchungen und Therapien mit sich, und es war ein langer mühsamer Weg und brauchte von allen unendlich viel Geduld!

Heute nun feiern wir den ‚1. Geburtstag‘ nach der Transplantation. 120 Gäste sind zu einem Brunch auf dem Thunersee-Schiff eingeladen und freuen sich mit uns über das 'neue Leben'!

 

Ruth