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Multiples Myelom

Patientinnen / Patienten

Spenderinnen / Spender

Warum gerade ich???

Dies ist der Titel meines Tagebuches, welches ich während zwei hektischen aber emotional sehr schönen Monaten geschrieben habe.

Ich bekam die Möglichkeit, einem fremden Menschen ein riesengrosses Geschenk zu machen.

Heute noch blättere ich ab und zu in meinem Tagebuch und erinnere mich gerne an diese intensive Zeit. Eine Zeit, die mich positiv geprägt hat und die ich nie vergessen werde.

Gerne werde ich Euch einen Einblick in mein Tagebuch gewähren:
Angefangen hat alles im Jahre 1999. Ich und meine Lebenspartnerin sassen vor dem Fernseher und schauten Röbyi Koller's "QUER" an. Es war auch ein längerer Beitrag über Leukämie dabei, der uns sehr betroffen machte. Es wurden verschiedene Schicksale gezeigt die mich in den folgenden Nächten und Tagen nicht mehr losgelassen haben. Es wurde mir, als gesundem Menschen, wieder einmal richtig bewusst, was es heisst gesund zu sein.

Ich wollte helfen!!! Konnte ich überhaupt helfen??? Nach kurzem Suchen bin ich im Internet auf die Seite www.knochenmark.ch gestossen. Ich habe mich dort genau informiert und Unterlagen bestellt. Dies war der erste Kontakt zu einer Frau, vor der ich sehr grosse Achtung habe. Eine Frau die bis heute immer wieder in meinem Leben auftaucht: Candy Heberlein.

Im Juni 1999 machte ich mich auf den Weg in das Blutspendezentrum Zürich. Dort wurde mir nach einem Gespräch ein wenig Blut entnommen, welches typisiert wurde. Meine Werte wurden dann anschliessend ins internationale Knochenmarkspender-Register eingetragen. Nun konnte ich nur noch warten und hoffen und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Monate vergingen und meine Gedanken waren ganz an einem anderen Ort, als im November 2000 das Telefon im Büro klingelte. Es war meine Freundin (Doris) die aufgeregt von einem Anruf berichtete. Ein Anruf vom Blutspendezentrum Zürich, dass ich mich melden sollte. In diesem Moment zitterten meine Hände und ich erlebte ein Wechselbad der Gefühle - Freude/Schock!!!! Umgehend nahm ich mit Zürich Kontakt auf wo man mir mitteilte, dass meine Werte mit denen eines Patienten übereinstimmen könnten. Es wurde ein zweiter Termin vereinbart, wo man mir nochmals Blut entnahm.

Dieses Blut wird mit dem Empfängerblut zusammengebracht, um sicher zu sein, dass das Risiko einer Abstossung möglichst klein ist.

Dann kam der 13. Dezember 2000. Ein Datum das ich nie mehr vergessen werde. Genau um 15.55 Uhr klingelte wiederum das Telefon und wieder war es Doris. Ich solle mich umgehend beim Blutspendezentrum melden. Meine Werte stimmten mit denen des Patienten überein. Dies alles so kurz vor Weihnachten, einer Zeit der Freude, Liebe und Geschenke - für mich die schönsten Feiertage meines Lebens.

Ab dem 19.Dezember wurde ich immer wieder nach Zürich bestellt, wo ich für die Operation vom 17. Januar 2001 Voruntersuchungen hatte und sich meine Gesundheit bestätigte. Ich kann spenden, wenn ich möchte - und wie ich möchte!!! Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde damit begonnen Eigenblut für die kommende Operation zu entnehmen, was ich wiederum im Blutspendezentrum Zürich machte. Eine Örtlichkeit die mir mitlerweilen sehr vertraut war. In dieser kurzen Zeit war viel los und als sich dann auch noch das Fernsehen meldete fragte ich mich immer wieder: warum gerade ich???

Es war der Programmleiter von der Sendung "QUER" mit Röbi Koller. Sie hätten von Candy Heberlein erfahren, dass ich in nächster Zeit Knochenmark spenden werde. Dies würde sehr gut zur kommenden Sendung passen. Da dies der beste Weg ist, noch viele weitere Leute zur Typisierung zu motivieren, sagte ich zu und machte am 5. Januar 2001 bei der Sendung mit.

Am darauffolgenden Morgen packte ich meines Ski's und fuhr für eine Woche nach Österreich ins geliebte Stubaital zu Bekannten. Diese Ferien, nur für mich, hatte ich bereits im Sommer gebucht und ich freute mich auf ein paar ruhige und erholsame Tage in denen ich Kraft tanken konnte. Trotz herrlichem Wetter blieben die Ski's im Keller des Hotels. Das Verletzungsrisiko war mir dann doch viel zu gross und somit verbrachte ich die Zeit mit Spaziergängen oder kleinen Wanderungen. Eine solche Wanderung führte mich auch zu einer kleinen Waldkirche in der ich eine Kerze für "meinen" kleinen Patienten anzündete (ich wusste das es ein Kind aus Italien ist). Ich war sehr oft in Gedanken bei ihm und wusste, dass er (der Patient) auch an mich dachte. Eine Art von Verbundenheit spürte ich, obwohl wir uns nie kennenlernen werden - so wollen es die Bestimmungen in der Schweiz!!!

In solchen Momenten kommt man seinem Schöpfer wieder näher. Man spricht mit ihm, man bittet ihn, ja man braucht ihn plötzlich - nicht für einem selber sondern für den Empfänger, den Patienten!!! Es leben die Emotionen bei solchen Gedanken und Gesprächen und ab und zu fliesst auch die ein oder andere Träne.

Telefonisch erfahre ich, dass sich nach der "QUER" Sendung über 150 Leute gemeldet haben. Dies bedeutet wieder ein wenig mehr Hoffnung für diejenigen die noch immer auf einen Spender warten.

Der 16. Januar 2001 war der Tag wo ich ins Spital einrücken durfte. Endlich ging es los. Ich fühlte mich sehr umsorgt und es fehlte mir in dieser Zeit an nichts. Am 17. Januar 2001 morgens um 6 Uhr wurde ich geweckt. Schnell noch eine Dusche, dann noch das OP-Hemd anziehen und die Tablette nehmen. Ich fühlte mich trotz dieser frühen Stunde sehr gut und war sehr gespannt auf das Kommende. Man holte mich im Zimmer ab und fuhr mich in den Operationssaal. Dort angekommen war ich so müde, dass ich noch vor der Narkose friedlich eingeschlafen war.

Alles verlief problemlos und ich fühlte mich nach dem Eingriff, der ca. 1 - 1 1/2 Stunden dauerte, ein wenig schwach und müde aber sehr zufrieden. Ein riesiges Pflaster mit Polsterung zeugte von der Operation. Die Stelle, an der man mir das Knochenmark entnommen hatte, fühlte sich wie ein blauer Fleck an und schmerzte fast nicht.

Wieder waren meine Gedanken beim Patienten, dem es zur Zeit sicherlich schlechter geht und die grösseren Schmerzen aushalten musste. Möge ihn mein Knochenmark, mit all meiner Kraft die ich mitspende, gesund machen!!!

Kurz nach dem Eingriff war ich bereits wieder auf den Beinen und unternahm innerhalb des Spitales kleinere Spaziergänge. So konnte ich am nächsten Tag bereits wieder nach Hause.

Nach einigen Tagen der Erholung spürte ich bald fast nichts mehr vom Eingriff. Einzig ein paar ganz kleine Narben oberhalb des Gesässes blieben zurück. Narben die mit der Zeit verschwinden werden. Was aber nie verschwinden wird, ist die Erinnerung an diese Zeit. Ich bin froh und dankbar, das ich diese Erfahrung machen durfte - sie hat mich geprägt!!!

Warum gerade ich??? …War eine Frage auf die ich noch immer keine Antwort erhalten habe - aber Danke das ich es bin!!!

Martin, Erinnerungen, und aus meinem Tagebuch